Musik und Poesie

Gelungene Auftaktveranstaltung im Zehnthaus Jockgrim:
Musik und Poesie mit Claudia Rösner und Dr. Martina
Bilke

 

Bericht von Susanne Knechtges

 

Jockgrim, 31.1.2022   Bei der ersten Veranstaltung des Jahres am Sonntagabend konnten sich Freunde der Literatur und Klaviermusik im Zehnthaus Jockgrim freuen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Musik und Poesie“ las Dr. Martina Bilke aus ihrem Roman „Auf einem Baum der Kuckuck“, am Piano spielte Claudia Rösner „Tango Nuevo“ von Astor Piazzolla. Die Veranstaltung anlässlich des 100ten Geburtstags von Piazzolla (2021) war mit circa 40 Personen gut besucht und konnte Corona-konform durchgeführt 
werden. 

Gleich zu Anfang gelang es der Pianistin von Rang das Publikum mit ihrem Vortrag in ihren Bann zu ziehen. Die seit 1990 als freischaffende Künstlerin und Klavierlehrerin in der Südpfalz lebende Rösner, spielte Piazzollas Kompositionen ebenso leidenschaftlich wie ergreifend: aus den „Histoire del Tango“ Bordell (aus dem Jahr 1900), es folgten Ballada para un loco, Café (1930) sowie Nightclub (1960). Kurze Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte und persönlichen Entwicklung Piazollas machten zwischen den einzelnen Sequenzen die Umstände klar, unter denen die Stücke entstanden. Mit  „Yo soy Maria“ und „Libertango“ nach der Pause steigerte sich die Spannung gegen Ende des Abends – passend zum sich ebenfalls aufbauenden Klimax in den ausgewählten Auszügen aus dem Roman von Martina Bilke, „Auf einem Baum der Kuckuck“. 

Das Buch handelt vom plötzlichen Tod einer deutschstämmigen alten Dame in Venezuela. Sie hinterläßt ihrer Enkelin, die sie groß gezogen hat, das Vermächtnis, ihre Asche nach Deutschland zurück zu bringen. Dort angekommen ist die junge Frau mit der Entdeckung konfrontiert, dass ihre Großmutter im Dritten Reich als Ärztin an Menschenversuchen in nationalsozialistischen Lagern beteiligt war. Das Böse in der eigenen Familiengeschichte stürzt sie in Selbstzweifel und stellt ihre Identität in Frage. 
Bilke beobachtete persönlich während eines zweijährigen Aufenthalts in Venezuela, welche Spuren die Generation immigrierter Nationalsozialisten dort hinterlassen hat. Der von ihr spannend umgesetzte Stoff fesselte am Sonntagabend die Anwesenden im Zehnthaus, verstärkt durch den lebendigen Vortrag der Autorin, die in der Pause und im Nachgang Gelegenheit gab, ihr Buch handsigniert zu erwerben

 

Der Veranstalter – das Kuratorium für Kunst und Denkmalpflege – zeigte sich überaus zufrieden mit dem Abend. Erster Vorsitzender Knut Maurer dankte den beiden Künstlerinnen mit einem Blumenstrauß und verwies auf die nächste anstehende Veranstaltung des Zehnthauses, eine Vernissage mit Gerhard Sauter (Malerei) und Christof Söller (Plastik) Anfang März.